Zündkerzen wechseln beim Benzinmotor ist ja nicht besonders kompliziert. Aber Glühkerzen wechseln beim JX Diesel-Motor ?! Na, ein wenig umfangreicher ist diese Bastelei schon, denn 1 der 4 Glühkerzen sitzt leider schwer zugänglich im Zylinderkopf eingeschraubt. Mit normalem Maul- oder Ringschlüssel ist das eine mühsame Fummelei. Natürlich geht das irgendwie, aber ich muss mir das Leben ja nicht unnötig schwer machen. In der Preisklasse 28,- Euro gibt es eine speziell gebogene 12er “Ratsche”. Extra für diese Arbeit gemacht. Natürlich umschaltbar für raus- oder reinschrauben. Im Paket mit 4 “Duraterm” Glühstiftkerzen sind wir zusammen bei rund 65,-Euro.

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Gut, aber warum will ich denn überhaupt die Glühkerzen wechseln? Der Motor läuft doch... Ja, aber... Er springt nicht gut an. Ich muss meist 2Mal vorglühen und dann ruckelt der Motor ziemlich ungleichmäßig solange er kalt ist. Das ist natürlich ungesund.

Nun hatte ich mir alles schön zusammen gekauft, aber aus Faulheit lag das noch ziemlich lange rum... Zwischenzeitlich war der Wagen in der Werkstatt und es wurden die Krümmerdichtungen gewechselt weil es da raus pustete, die Ölwannendichtung gewechselt, weil es da raus siffte, der Zahnriemen gewechselt, weil es Zeit dafür wurde, Öl-, Diesel-, und Luftfilter gewechselt, weil die fällig waren... TÜV und AU waren auch fällig... und so hab ich mich nicht auf der Strasse unter das Auto gelegt, sondern all dies machen lassen. War nicht ganz billig, aber nötig...

Die Glühkerzen hatten all das unbeschadet in einer Kiste verschlafen. Bis... ja, bis ich neulich bei meiner Mutter zu Besuch war und einige Tage nicht vor dem Computer saß um die Zeit zu verplempern... Also hab ich mich dort letzten Samstag hinter das Auto gekniet, mir meine Finger auf- und kaputt gestoßen, meinen Rücken verbogen aber auch letztendlich die Glühkerzen gewechselt. So sahen die aus bei mir: (Oben natürlich eine Neue...)

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Allein schon die Tatsache, dass die so unterschiedlich aussehen zeigt, dass wohl immer nur 2 funktioniert hatten. So hörte sich das auch jedes Mal an, wenn der Wagen gestartet wurde... OK, Batterie abgeklemmt (!) und los gebastelt: .RFI2007-06-15-163017

Ich hatte zuerst versucht dieses “Einspritzgeweih”, also die Diesel-Druckleitungen zu den einzelnen Zylindern, angeschraubt zu lassen, aber das war mir zu viel Fummelei. Da kommt man ja praktisch gar nicht mehr an die Glühkerzen. Also hab ich die mit einem 17er Maulschlüssel gelöst und das Ganze beiseite gelegt. Nun ist ja auf die Glühkerzen hinten dieses stromzuführende Kupferband geschraubt. Das ist jeweils mit einer 8er Mutter an dem kleineren Gewinde festgeschraubt. DAS war das eigentliche Problem. Diese Muttern ab- und wieder an zu schrauben. Die (in Fahrtrichtung) vorderen beiden Zylinder sind nix aufregendes. Sowohl die Muttern wie auch die Glühkerzen lassen sich mir Knarre und Nuß leicht herausschrauben.

 

Auch die hinterste kleine Mutter war noch keine wirkliche Herausforderung. Aber dann... Der vorletzte Zylinder... Wunderbar versteckt hinter der Diesel-Einspritzpumpe gelegen. Geschützt gegen direkten Zugriff mit dicken Fingern oder kurzen Maulschlüsseln... HILFE, war das eine Fummelei. Ein normaler 8er Maul/Ring-Schlüssel ist üblicherweise vom Design her relativ kurz. Zu kurz um damit an die Mutter des Kupferbandes zu kommen. Also muss man irgendwie einen längeren 8er Schlüssel basteln. Z.B. mit Isolierband den Schlüssel und einen Schraubenzieher RFI2007-06-15-162454fest zusammenbinden, oder, wenn man Glück hat, kennt man jemanden, der ein Schweissgerät hat, und dann kann man sich auch so was basteln wie hier rechts im Bild. Das war natürlich eine gewaltige Hilfe, denn meine Hand und meine Finger sind leider so dick, dass ich niemals mit 2 Fingern zugleich an diese Mutter an der vorletzten Glühkerze kommen könnte. Natürlich fiel die abgeschraubte kleine Mutter dann runter... Und auch die herausgeschraubte Glühkerze fiel runter in einen Schlitz der bedrohlich nah beim Zahnriemen liegt. Zu allem Unglück musste ich nun also mit viel Aufwand diese Mutter und die Glühkerze wieder da raus fummeln. Zum Schluss hatte ich dort übrigens noch eine 2. und gleiche Mutter mit herauf geholt... Da muss also zuvor schonmal jemand das gleiche Spielchen durch haben... Erschwerend kommt bei dieser Aktion noch dazu, dass genau vor der Glühkerze ein Bowdenzug gespannt ist (rote Markierung). Der stammt vom “Kaltstartbeschleuniger”. Das ist dieses herausziehbare Etwas unter dem Armaturenbrett rechts neben dem Lenkrad, was man immer vergisst und erst im Frühjahr zufällig wieder entdeckt... Gut, hier nun erstmal ein Close-Up dieser beschriebenen Stelle. Die kleine Mutter ist ziemlich gelöst, das Stromband ist lose aufgesteckt und rechts daneben der Bowdenzug mit einer Schutztülle darüber. Das mit den Löchern da unten drunter ist übrigens ein Teil der Zylinderkopfdichtung. Die Löcher geben an, welche Dicke hier verbaut wurde... Das Weisse ist ein Stück Küchenrolle. Die hab ich da drunter reingedrückt, damit mir die Mutter oder die Glühkerze nicht noch mal ganz runterfällt und in einer Ritze verschwindet... Daraus schließen wir, dass dieses Foto beim wieder Einbau entstanden ist ;-)

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Es gibt Berichte in denen geschrieben steht, man könne sowohl das Diesel-Einspritzgeweih an den Einspritzdüsen wie auch das Stromband an dieser vorletzten Glühkerze angeschraubt lassen und könne die Glühkerze daran befestigt herausziehen. Viel Spaß. Wenn jemand die besondere Herausforderung liebt, dann wird das so auch irgendwie gehen. Ich finde dies jedenfalls utopisch und sehe absolut keine Chance, dermaßen verbaut, an die Glühkerze zu kommen. Das herausziehen wird durch den Bowdenzug praktisch unmöglich, solange das Stromband noch angeschraubt ist. Ob das bei gezogenem Zug besser geht weiß ich nicht...

Hier mit diesem unteren Bild möchte ich zeigen, dass man auch mit einem ganz normalen 12er Maul/Ringschlüssel (grün markiert) an die Glühkerze kommt und nicht unbedingt eine solche spezielle Ratsche wie ganz oben gezeigt benötigt. Sie spart im Prinzip nur 1Min. Arbeit. Anfangs, wenn die Glühkerze noch locker nur in der ersten Gewindeumdrehung eingeschraubt ist, dann “knackt” die Ratsche noch nicht, sondern dreht beim zurückdrehen auch die noch lockere Glühkerze wieder zurück. Man müsste also die Glühkerze mit einem anderen Werkzeug etwas “festhebeln”, damit sie sich nur im Gewinde dreht wenn man das auch will.

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Tja, wenn man dann alles wieder zusammenbaut, kommt man an den nervenaufreibenden Punkt, an dem man die kleine Mutter wieder hinten auf die Glühkerze aufschrauben muss. Das kostet Nerven! Wie ich schon sagt: Mit meinen Fingern hab ich da keine Chance. In einem Forum beschrieb jemand, dass sein Junior da ins Spiel kam. Der war glücklich dass er helfen konnte und mit seinen kleinen Händen war diese Schraube kein Problem. Ich musste auf einen anderen Trick zurückgreifen, den ich im gleichen Forum gesehen hatte:

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Hier mit dem lila Pfeil markiert ist “Special Tool B”: Ein gebogener Draht, an dem man die Mutter von oben herunterfallen lässt und es dann schafft, mit 1 Finger die erste ½Umdrehung auf dem Gewinde zu bekommen. Das funktioniert!

So, irgendwann nach gut 1 Stunde ist dann alles wieder festgeschraubt und man glüht vor und startet den Motor zum ersten Mal! Und dann zum 2. Mal, und zum 3. Mal... Es dauert eine Weile bis die Luft aus dem Einspritzgeweih wieder herausgedrückt ist und die Zylinder wieder Diesel eingespritzt bekommen. Der Wagen springt an und läuft dermaßen rund, dass einem die Tränen vor Freude kommen könnten. Kein ruckeln mehr, kein stottern, keine Rauchwolke... So schön gleichmäßig ist der Wagen sein langem nicht mehr gelaufen. Das hat sich gelohnt!

 

Glühkerzen wechseln beim JX Dieselmotor