Die traurige Mitteilung zuerst: Ich hab keinen T3 mehr...

Nach langem Überlegen ging der Wagen den Weg alles Irdischen: Er wurde bei ebay verkauft.

Der Wagen war für sein Alter soweit noch wunderbar in Schuss. Ich hatte gerade erst vor 8 Wochen hinten die Bremse komplett neu machen lassen und die Stehbolzen am Zylinderkopf für den Auslasskrümmer gegen neue ersetzen lassen, weil es da ein bisschen rauspfiff. Aber das endgültige Aus brachte dann die Berliner Umweltzone.
Nicht das ich mit dem Wagen in der Zone gefahren wäre. Das darf man ja nicht und das hab ich mir auch verkniffen. Aber schon das Parken wird rigoros aufgeschrieben. Auch wenn z.B. das Ordnungsamt rechtlich gar nicht zuständig ist so Umweltzone Berlin rigoros Parkenhindert dies die Stadt nicht daran extra Leute einzustellen (aus einem internen Stellenpool anderer Behörden...) um Plakettensünder aufzuspüren. Die Anhörung zum Bußgeldbescheid kommt dann vom Polizeipräsidenten und nicht vom Ordnungsamt. Man arbeitet hier Hand in Hand um Geringverdienern das Auto weg zu nehmen. Mein Wagen war 18Jahre alt...
Die Umrüstung mit einem Oxi-Kat für eine gelbe Plakette hätte komplett rund 1100Euro gekostet (Hardware, Einbau, Prüfung, Papiere...). Und dann? Mit der gelben Plakette hätte ich in knapp 1½ Jahren wieder draußen gestanden, weil im Januar 2010 dann nur noch “grün” in die Zone fahren darf. 3 Strafzettel hab ich nur für das Parken bekommen... Selbst für das Parken “nur” 50m hinter dem Schild gab es schon Einen. OK, man könnte sagen “ein bisschen schwanger geht nicht” und er war ja schließlich hinter dem Schild. Aber man kann es auch übertreiben und ich sehe so was als Schikane an. Schließlich ist bis heute die allgemeine Rechtsauffassung dass das Parken in der Umweltzone nicht mit einem Bußgeld belegt werden darf sondern ausschließlich das Fahren. Aber wie das so ist: Die Berliner Behörden haben da wohl ihre eigene Rechtsauffassung und nachdem schon der Verkauf der Umweltplaketten schätzungsweise 4,5Millionen Euro in die Stadtkasse gespült hat kassiert man nun fleißig Bußgelder.
Mit meinem damals 2jährigen Kind war es nun zur Tortur geworden mit dem Auto zu fahren. Über 1km mit Junior dorthin gehen... im Buggy schieben... war sehr anstrengend. Ich musste nun teilweise 3 Mal so weite Wege am Rande der Umweltzone entlang fahren! Das war sicher keine Einsparung an Feinstaub... Wobei man ohnehin davon ausgeht, dass ein so alter Diesel keinen Feinstaub in dem Maße produziert wie ein aktueller Dieselmotor. T3s produzieren ohnehin eher Eierkohlen wie jeder weiss, der schonmal den Auspuff Endtopf gewechselt hat... Aber das ist Expertenwissen und Politiker sind selten Experten... Meine Frau meckerte auch noch dauernd, dass ich sie beim ständigen Streik der BVG nicht fahren konnte... Also musste ich mich schweren Herzens von meinem Bulli trennen. Finanziell ein Desaster, denn so viel wie ich in den Wagen investiert habe brachte der Verkauf naturgemäß nicht wieder rein. Ich hoffe nun, der jetzige Besitzer behandelt ihn pfleglich. Mich hat der Bulli ziemlich genau 20.500km begleitet, (davon, wie man im Spritmonitor gut sehen kann, etwa 15.000km auf der Strecke Berlin-Limburg) und ich werde ihn in angenehmer Erinnerung behalten.

Nachtrag Januar 2010: So, nun ist alles so schön grün hier in Berlin. Feinstaub gibt es dank Plakette wohl keinen mehr. Ich persönlich hatte das Glück, dass ich einen anderen Wagen meiner Mutter leihen konnte. Mit dem fahre ich pro Jahr rund 3 Mal soviel, wie damals mit dem T3. DREI MAL mehr KM, weil er schneller ist. Ich benutze ihn auch für weit mehr Kurzstrecken, die ich früher vielleicht nicht mit dem Wohnmobil in der Innenstadt gemacht hätte. Er verbraucht allerdings auch rund 18-20 l wenn ich ihn “trete”... und das mache ich gerne... Tja, mit T3 wäre das nicht passiert.

Ach, wir Deutschen... Wir müssen mal wieder die Welt retten. Kollektiv hämmerten uns die Medien täglich ein, dass wir als T3 Fahrer mit geducktem Haupt durch die Gegend schleichen müssen, weil wir ja eine RFI2007-03-31-174639Dreckschleuder” fahren. Also wird, in deutscher Gründlichkeit, das Problem gleich mehrfach angegangen. Erst die Erhöhung der Kfz-Steuer um 260% für aufgelastete T3 Wohnmobile (Rückwirkend!!!), ja und dann sperren uns die Grossstädte aus, weil wir ja den Feinstaub verursachen. Anscheinend wir ganz allein... Rußfilter gibt es natürlich keine mehr für so einen Wagen und so ein EURO3 Katalysator kostet mit Einbau mehr als der ganze Wagen noch Wert ist. Was sagt z.B. der Berliner Senat dazu: Es ist den Besitzern solcher Wagen (älter als 12Jahre) zuzumuten sich ein neueres Auto anzuschaffen. Klar, wenn da nicht dieser unangenehme Effekt wäre, dass man für ein neueres Auto auch etwas Geld übrig haben müsste. Da reicht die Logik der Verantwortlichen leider nicht aus zu verstehen, dass man solch ein altes Auto nicht zuletzt deswegen fährt, weil man kein Geld hat, sich ein neues zu kaufen...

Drehen wir die Uhr mal eben etwas zurück. So in den Sommer 1989, kurz vor der Wende. Im Osten düsen die Trabis und Wartburgs zwischen Leuna- und Orwo-Chemie durchs bittere Feld, sofern man wegen der Abgase der Braunkohlekraftwerke überhaupt noch was erkennen kann. Im Westen gibt es zwar schon ASU und Kat, aber kein Diesel der Republik kümmert sich um Feinstaub. Und? Sind wir damals böse Menschen gewesen? Sind die Fußgänger hinter uns reihenweise wie die Fliegen umgefallen, wenn wir mit unseren “Dreckschleudern” daran vorbei gefahren sind? Nö. Da gab es ja auch noch keine EU-Grenzwerte. Heute müssen diese Grenzwerte eingehalten werden, auf Teufel komm raus. Liest man die Massnahmen und Statistiken durch, die zu diesem Thema veröffentlicht werden, so fällt eins auf: Weit über 70% des Feinstaubes in großen deutschen Städten kommen von außen ins Stadtzentrum. Die kommen gar nicht aus dem Auspuff meines T3... Da sind z.B. Baustellen, die Unmengen an Feinstaub verursachen, in Berlin sind die Dampfer auf der Spree eine riesige Feinstaub-Quelle... Ich will gar nicht wissen, was die Containerschiffe in Hamburg so alles raus pusten...

Wer mal im Winter in Polen war weiss, dass dort noch viel mit Kohle und Holz geheizt wird. Man erkennt teilweise kaum die Straßenlaterne über einem, so dicht ist der Qualm. Das weht dann gerne bei Ostwind weit über die Grenze... Aber hier in Berlin sind ja die T3s und andere alte Diesel an der Klimakatastrophe schuld... Wer mal die Storkower oder die Gürtelstr. entlang fährt kann dort problemlos 30-35 alte T3 Diesel und andere Wohnmobile bewundern, die nun alle am Rand der Umweltzone parken müssen. Ich hatte eine Petition beim Abgeordnetenhaus eingereicht, dass wenigstens die Swinemünder Brücke in Berlin von der Umweltzone ausgenommen wird, damit ich nicht auch über einen Kilometer mit Baby laufen muss um mein Auto zu erreichen... Aber das wurde erwartungsgemäß nicht befürwortet, da man angeblich auf dieser Brücke nicht wenden könne... Mein T3 hat das ohne Zurücksetzen geschafft... Na ja, ich sprach schon über das Expertenwissen von Politikern...

R2005-02-06-170705Sagte ich schonmal, dass ich ein paarmal in Brasilien war und dort auch mehrere Monate gelebt hatte? Soll ich mal was aus Brasilien erzählen? Da hab ich über so einem kleinen Supermarkt gewohnt. Da kommt man, wenn man ein Auto hat, mit seinem “Pick-Up” vorgefahren, steigt aus, lädt nach 30min. seinen Einkauf und ein paar Nachbarn auf die Ladefläche, redet noch mit Freunden und fährt dann irgendwann nach 50-60Minuten wieder weg. Nur: Den Motor hat man zwischendurch gar nicht ausgemacht. Warum auch... In Brasilien ist der Diesel so dreckig, dass der beim Tanken durch einen Filter laufen muss. Feinstaub? Nö, sowas lächerliches kennt man dort nicht, wo die Plastikabfälle hinter dem Haus verbrannt werden, die Felder nach der Ernte abgefackelt werden, der Müll grundsätzlich achtlos auf die Strasse geworfen wird... Aber wir Deutsche, wir müssen die Welt retten und sind schuld an der Klima-Katastrophe...Und mein T3 erstmal...

 

Ein- und Umbauten am VW T3

 

 

 

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Die Hexe:

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